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Angiogenesehemmer - Therapiehoffnung bei med. SD-Krebs             
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kasey
07.11.2004, 10:30 Uhr
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Hallöchen zusammen!
Angiogenese, was ist das eigentlich?
Ich werde immer wieder diesbezüglich gefragt, und nun möchte ich versuchen diese neuartigen Versuche in der Krebstherapie verständlich zu machen. Ich selber weiß das Wirkprinzip dieser neuen Therapie auch nicht so genau, deshalb habe mich auf die Suche gemacht und ein paar Internetadressen ausfindig gemacht die vielleicht für den einen oder anderen ganz interessant sein könnten. Auch meine Beteiligung diesbzgl. an einer Studie möchte ich erläutern.
Ein Pressebericht:
Wissenschaftlern der Harvard-University gelang es 1998 bei Mäusen, Krebstumore mit einer Kombination der Proteine Angiostatin und Endostatin zu bekämpfen. Die Proteine verlangsamten die Bildung von neuen Blutgefäßen (Antiangiogenese) in den Tumoren und begrenzten dadurch das Tumorwachstum. Vom Tierversuch bis zum Einsatz der Proteine beim Menschen sei es jedoch ein weiter und nicht zwangsläufig erfolgreicher Weg, so die Krebsforscher in einer Pressemitteilung.
Angiogenese, mit eigenen Worten erklärt:
Tumore brauchen, um wachsen zu können, Blutgefässe, die sie mit Nährstoffen und Sauerstoff usw. versorgen, die Bildung dieser Blutgefässe nennt man Angiogenese. Dies wird nun versucht mit neuen Medikamenten zu unterbinden, der Tumor soll keine Möglichkeit bekommen Blutgefässe bilden zu können, er soll sozusagen ausgehungert werden.
Das ist nun eine sehr laienhafte Erklärung, besser beschrieben wird dieses Prinzip auf folgender Site des Krebsinformaitionsdiendst des Deutschen Krebsforschungszentrums Heildeberg:
Tumore ?aushungern? wie funktioniert die Anti-Angiogenese?
Es wird auch auf ein sehr umstrittenes Medikament eingegangen, Thalidomid auch als Contergan bekannt. Contergan ist aber auch ein Angiogenesehemmer, siehe dazu auch:
Angiogenesehemmer Thalidomid (Contergan), Seite 4
in einem Aufsatz von V. Hessa, B. Biedermannb, R. Herrmanna:
Prinzipien der Chemotherapie
Neue Therapieansätze in der Tumorbehandlung, in:
Schweiz Med Forum Nr. 45 7. November 2001, 1128-32
Ich selbst bin in einer Studie an der Uniklinik in Regensburg.
Titel der Studie: Antiangiogenetische Therapie kombiniert mit Chemotherapie bei metastasierten Tumoren.
Teil nehmen 50 Patienten mit den unterschiedlichsten Tumoren.
Einzige Voraussetzung dafür ist, dass man gute Nieren-und Leberwerte hat und ein einigermassen gutes Allgemeinbefinden vorzuweisen hat.
Weiter:
Dabei wird eine Medikamentenkombination aus Chemotherapie und mit Angiogenesehemmern durchgeführt. Diese Präparate sind in dem Sinne gar keine Angiogenesehemmer, sondern Zucker- und Rheumamedikamente mit der Nebenwirkung der Antiangiogenese.
Dazu gehören die Substanzen:
Vioxx: (Rofecoxib) Vioxx ist das erste antientzündlich/antirheumatische Medikament, dass im Körper selektiver auf die Entzündung wirkt und nicht den Effekt der Magenschleimhautschädigung inne haben soll.
Vioxx wirkt zudem über 24 Stunden. Da Vioxx erst neu ist, wird sich die langfristige Verträglichkeit -wie auch die Wirksamkeit- im Vergleich zum bisherigen Standard Diclofenac allerdings noch beweisen müssen. Vioxx ist verschreibungspflichtig, wird bei Rheuma/Arthritis eingesetzt.
Actos (Pioglitazon): (Fa. Takeda, Japan) Actos ist ein Medikament gegen Diabetes Typ 2, das als Tablette eingenommen werden kann. Es erhöht die Wirksamkeit des vorhandenen körpereigenen Insulins (siehe auch Rosiglitazon). Im Gegensatz zu anderen Vorläufern dieser Substanzklasse, soll Actos gut verträglich sein und die Leber nicht schädigen.
Diese beiden Präparate werden mit Xeloda (Capecitabin) kombiniert:
Die erste orale und tumorselektive Therapie für zuhause, das heisst eine Chemotherapie in Tablettenform zur Einnahme zuhause und sehr gut verträglich.
Die Chemotherapie soll die Wirkung der beiden anderen Präparate verstärken.
Der Einnahmezyklus beträgt zwei Wochen für das Chemotherapeutikum mit einer Woche Pause, die Dosis hängt ab vom Körpergewicht.
Die beiden anderen Präparate muss man kontinuierlich einnehmen.
Wenn man nicht zuckerkrank ist, wie ich, der kann die Zuckertabletten ohne Probleme nehmen, der Körper gleicht den Insulinspiegel von selbst an. Ich vertrage diese drei Medikamente sehr gut. Ein weiteres Zuckermedikament in Erprobung diesbezüglich ist:
Rosiglitazon (Avandia®): Rosiglitazon wird zur Behandlung des Altersdiabetes eingesetzt (Typ 2 Diabetes). Im Gegensatz zu anderen als Tablette wirksamen Substanzen wirkt Rosiglitazon nicht auf die Insulinfreisetzung, sondern es verstärkt die Wirkung des vorhandenen Insulins, indem es die Empfindlichkeit der Insulinrezeptoren auf der Zelle erhöht. Rosiglitazon wird daher als Insulinsensitizer bezeichnet.
Rosiglitazon soll aber die Leber nicht schädigen.
Dieses Präparat hat auch die Nebenwirkung der Antiangiogenese.
Ein weiterer Angiogenesehemmer Cilengitide wurde in Zusammenarbeit von Merck, der Technischen Universität München und dem Scripps Research Institute entwickelt. Cilengitide blockiert die Angiogenese durch spezifische Funktionshemmung der Integrine vß3 und vß5 (Rezeptormoleküle, die den Endothelzellen das Signal für die Bildung neuer Blutgefäße geben). Studien unter Verwendung unterschiedlicher Modellsysteme belegen, dass Cilengitide ein hochwirksamer, selektiver Angiogenesehemmer mit Antitumoraktivität ist. Die ersten Ergebnisse der zur Zeit mit Cilengitide laufenden klinischen Prüfungen sprechen für seine Unbedenklichkeit und gute Verträglichkeit bei Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren.
So, das sind die jetzt mir bekanntgewordenen Substanzen bezüglich der Antiangiognese.
Ich habe versucht das Ganze so gut wie möglich vorzustellen. Weitere Internetadressen diesbezüglich sind:
Seite auf darmkrebs.de Anti-Angiogenese und Hemmung der Metastasenbildung
Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg: Den Saft abdrehen. Neue Ansätze in der Therapie versuchen, die Blutversorgung des Tumors zu unterbrechen
(Stefanie Seltmann in einblick 2/1997)
Institut für Klinische Physiologie an der FU-Berlin
Abhandlung von Sameer Dhayat und Andreas Guggemos
im Rahmen des Pathophysiologischen Seminars 1999/2000:
Antiangiogenese: Waffe gegen den Krebs?
Nun ich hoffe dass dieses neuartige Prinzip gut bei mir anschlägt, konkrete Ergebnisse liegen noch nicht vor, dennoch mein Tumormarker, das Calcitonin, verhält sich seit ich mit der Einnahme begonnen habe, ruhig bis leicht rückläufig, sehr schön...
Weitere Therapieoptionen werden auch auf unserer speziellen Seite www.c-zell-karzinom-online.de angesprochen.
Gruss
Lydia
Ergänzung zum Bericht am 11.06.04
Nach einem Hinweis von Franzi (von SD-krebs.de) wurde mir die bevorstehende Zulassung eines Medikamentes bekannt und zwar PTK/ZK ein oraler Angiogenesehemmer von Schering und Novartis, siehe hier Klick hier
Die Zulassung umfasst zwar jetzt "nur" Dickdarmtumore, aber wie man sieht sind erste Erfolge zu verzeichnen und vielleicht erfolgt auch irgendwann die Zulassung eines antiangiogenetischen Medikamentes das Erfolg hat beim MTC, z.B. meine Kombination?
Ergänzung vom August 2004:
habe heute zufällig erste Ergebnisse der Regensburger Studie gefunden und kopiere den Artikel hier hinein, ich hoffe ich darf das, ich bin ja in dieser zuerst erwähnten Studie:
Rezidivtherapie mit PPAR-gamma Agonisten und COX-2 Inhibitoren kombiniert mit Chemotherapie bei hoch malignen Gliomen WHO Grad III/IV
Therapieprinzipien, die wachstums- und blutgefässbildungshemmende Präparate mit niedrig dosierter Chemotherapie kombinieren, sind in ersten Phase I/II-Studien bei therapieresistenten Tumoren erfolgreich eingesetzt worden. Das hier vorgeschlagene Studienprotokoll wird in modifizierter Form bereits im Rahmen einer Phase II-Studie der Abteilung für Hämatologie und Onkologie des Klinikums der Universität Regensburg eingesetzt (Studienleitung: PD Dr. A. Reichle). Bisher konnten nicht nur Stabilisierungen, sondern auch teilweise oder komplette Tumorrückbildungen in einer ermutigend hohen Anzahl von Patienten mit verschiedenen Tumoren beobachtet werden. Außerdem konnten auch Tumorrückbildungen bei Patienten mit Hirnmetastasen beobachtet werden.
Jetzt zur neu geplanten Studie:
Im vorliegenden Studienkonzept soll geprüft werden, ob mit einer solchen Therapiestrategie eine Tumorstabilisierung oder -rückbildung auch in einem ähnlich hohen Prozentsatz von Patienten mit hoch malignen Gliomen zu erreichen ist. Dabei wird als niedrig dosierte Langzeit-Chemotherapie entweder Capecitabine (Xeloda) oder bei Patienten, die diese Therapie bisher nicht erhalten haben, Temozolomid (Temodal) eigesetzt. Als Adjuvantien werden Rofecoxib (Vioxx) und Pioglitazon (Actos) verwendet.
(Diese Kombination bekommt man auch in der anderen Studie in der ich bin.)
Einschlusskriterien
- Rezidiv eines hoch malignen Glioms (WHO Grad III/IV)
- abgeschlossene Strahlentherapie
- abgeschlossene Chemotherapie in der Ersttherapie
- Karnofsky-Index über 70 (selbstversorgend)
- Alter: über 18 Jahre
Ausschlusskriterien
- sehr rasche Tumorprogression (individuelle Einschätzung durch Prüfarzt)
- Teilnahme an anderen Therapiestudien
- andere systemische maligne Erkrankungen
siehe auch diesen Link dazu: Klick hier!
Ich freue mich drüber dass ich anscheinend zu denjenigen gehöre wo eine Stabilisierung erreicht wurde, wäre zwar toll gewesen wenn ich zu denjenigen gehört hätte wo es zu Rückbildungen gekommen ist, aber ich bin auch mit diesem Ergebnis zufrieden.
Nun wird die Studie soweit ich das verstehe auf Patienten mit Gliomen (Hirntumore) ausgeweitet, hoffentlich mit Erfolg.
weitere Nachrichten:
Stand 01. Oktober 2004
Mit Schreck hab ich am Samstag in meiner Apotheke zu hören gekriegt dass mein Antiangiogenesemedikament Vioxx wegen des Verdachts schwerwiegender Nebenwirkungen vom Markt, zum 01. Oktober, genommen wurde.
Die Nebenwirkungen sollen sein: kardiovaskuläre Veränderungen, soll heissen: es kann zu Herzinfarkt und Schlaganfällen kommen unter der Einnahme.
So, jetzt steh ich erst mal da mit meinem 14 Tage alten Rezept und muss mich nun drum kümmern rauszukriegen was die Uniklinik nun stattdessen verschreibt.
Jetzt kriege ich Arcoxia 60 mg Tabletten, davon soll ich 1 tgl. nehmen, dieses Medikament ist auch ein COX-2-Inhibitor, dieser soll genauso wirken wie das Vioxx, nur nicht mit diesen gravierenden Nebenwirkungen.
Arcoxia Wirkstoff (COX2-Hemmer Etoricoxib): Ein Gichtmedikament, Zulassung erst seit September 2004(??).
Seltsames Zusammentreffen:
Vioxx und Arcoxia ??
Siehe dazu diesen Bericht: Klick hier!
und
Das Ende einer grossen Karriere: Vioxx vom Markt genommen
Klick hier!
Ich bin erstmal total verunsichert, Vioxx kombiniert mit Actos und Xeloda hat zumindest zu einem Stillstand des Anstiegs des Tumormarkers geführt.
Und nun?
Hat diese neue Kombination den selben Effekt?
Das werden wir sehen....
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