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Protokoll der Informationsveranstaltung am Samstag, 13.11.2004 in Halle/Uniklinikum

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admin 02.01.2005, 10:31 Uhr
Informations Veranstaltungen

  1. PD Dr. med. Wolfgang Karges, Medizinische Universitätsklinik Ulm:
    C-Zell-Karzinom – Genetik und Diagnostik"

  2. PD Dr. Karin Frank-Raue, endokrinologisch-humangenetische Gemeinschaftspraxis, Heidelberg
    „Nachsorge nach Thyreoidektomie im Kindesalter"
  3. Prof. Dr. H. Dralle, Halle
    „Chirurgische Therapie des medullären Schilddrüsenkarzinoms"
  4. Dr. M. Brauckhoff, Halle
    „Chirurgische Verfahren beim Phäochromozytom"

  5. Prof. Dr. med. Friedhelm Raue, endokrinologische, humangenetische Praxis, Heidelberg,
    „Tumornachsorge und Systemische Therapie bei Metastasen"

  6. Prof. Dr. med. R. P. Baum, Klinik für Nuklearmedinzin Bad Berka,
    PET, PET-CT und nuklearmedizinische Therapie bei neuroendokrinen Tumoren

 

Bemerkung: Die Inhalte der Vorträge werden nur wiedergegeben, soweit sie sich nicht mit denen der Vorträge in Essen im Oktober 2003 decken. Bei den einzelnen Referaten wird ggf. noch einmal darauf verwiesen. Das Protokoll von Essen kann jederzeit bei Bettina Kurz bestellt werden. Die Vorträge in Gänze mit Bildern können als PDF-Datei auf der Webseite der Uni Halle herunter geladen werden. Ich gebe nur wieder, was vorgetragen wurde: Da in einem Protokoll nicht alle Fachausdrücke an Ort und Stelle erklärt werden können, habe ich ein Glossar erstellt, das ebenfalls gerne von mir zugeschickt wird.

– German Fellhauer begrüßt alle Anwesenden (ca. 115 PatientInnen + Angehörige) und bedankt sich besonders bei Dr. Ukkat für die Organisationsarbeit.

– Prof. Dralle begrüßt ebenfalls, bedankt sich bei Dr. Ukkat und stellt die ReferentInnen und ihre Themen kurz vor.

 

1. Vortrag

PD Dr. med. Wolfgang Karges, Medizinische Universitätsklinik Ulm

C-Zell-Karzinom – Genetik und Diagnostik"

 
Das C-Zell-KA macht 10-15% der SD-KA aus, es gibt ca. 0,3/100.000 Neuerkrankungen/Jahr, 5-30% der Fälle sind familiär.

Es sollte bei jedem SD-Knoten das Calcitonin bestimmt werden, bei einem Wert von >10 pg/ml sollte sich ein Pentagastrin-Test anschließen.

Zur Nachsorge gibt es zusätzlich das PET-CT (Bilder, gemacht mit einem 18F-DOPA PET-CT). Bilder von Ultraschall- und PET-Aufnahmen werden „übereinandergelegt" und erlauben so eine sehr deutliche Diagnostik von Knoten. Auch beim Phäochromozytom entstehen auf diese Weise sehr deutliche Bilder der Speicherungen. Alles ab ca. 0,5cm wird sichtbar.

 

Weiteres, v. a. zu Diagnostik/Gendiagnostik siehe Protokoll Essen, Vortrag 1. und 2.

 

FRAGEN

Wie schnell normalisiert sich der Calcitoninwert nach Operationen?

Der Wert fällt rasch ab. Ist der Ausgangswert so um 500 pg/ml müsste er sich schnell normalisieren, bei größeren Tumoren kann das 10-14 Tage dauern.

Wie ist der Aussagewert unterschiedlicher Calcitonin-Tests zu bewerten?

Es gibt 3-4 Tests, die alle gleich aussagefähig sind, weil sie den gleichen Referenzbereich haben. Pentagastrin provoziert einen Anstieg bei Gesunden und Kranken, aber bei erkrankten Personen ist der prozentuale Anstieg größer und der Absolutwert wesentlich höher. Es gibt Überlappungen, die sind aber gering.

PET-Untersuchung ist was, wird wo durchgeführt?

Bei einer PET-Untersuchung sieht man alle C-Zellen, egal wo sie lokalisiert sind. Es ist entscheidend, welche radioaktive Substanz zum Markieren benutzt wird. Die Untersuchung ist neu und muss erst evaluiert werden. Die Entwicklung (Studie) muss erst noch abgewartet werden. Die entscheidende Frage ist: Was passiert mit dem Ergebnis?

Gibt es neue Mutationen?

Ein 1995 durchgeführter, negativer Gentest sollte jetzt noch mal wiederholt werden, um neue, jetzt erst bekannt gewordene Stellen zu testen. Die Mutationen, die jetzt noch hinzu kommen, sind wesentlich seltener, als die, die schon bekannt sind und auch nicht so gefährlich.

Empfehlung: Einmal im Jahr sollte man nachfragen und sich beraten lassen. Ab 1997/98 waren auch die Exons 13-16 bekannt. Nur wenn beim „Erstpatienten" („Indexpatient") die Erblichkeit festgestellt wird, werden weitere Familienmitglieder auf eine Genveränderung getestet.

2. Vortrag

PD Dr. Karin Frank-Raue, endokrinologisch-humangenetische Gemeinschaftspraxis, Heidelberg

„Nachsorge nach Thyreoidektomie im Kindesalter"

 

Die Schilddrüse hat die Hauptaufgabe, Thyroxin zu produzieren. Der Körper stellt sich in der Zelle aus der Vorstufe her, was gebraucht wird, d. h. Thyroxin kann leicht ersetzt werden.

Bei Kindern reguliert SD-Hormon das Wachstum und die Gehirnreifung. Bei Fehlen kann es so zu Minderwuchs und Intelligenzminderung kommen. Bei Erwachsenen reguliert es die Geschwindigkeit des Stoffwechsels (Sauerstoff, Energieverbrauch, ...). Unterfunktion ist u.a. ein Risiko für erhöhtes Cholesterin.

Serum-Thyroxin T4: Der Normalwert liegt bei 0,8-1,7ng/dl, die tägliche Abgabe ins Blut bei ca. 100ug, die Halbwertzeit (Abbau jeweils um die Hälfte) im Serum bei 7-8 Tagen. Der Umsatz verändert sich im Alter, der Serumspiegel bleibt aber gleich.

Serum-Trijodthyronin T3: Normalwert 2,0-4,2pg/ml, tägliche Produktion 10ug aus der SD und 26ug aus Thyroxinabbau, Halbwertzeit ca. 19 Stunden. Der Umsatz vermindert sich im Alter, der Serumspiegel nimmt etwas ab. Bei T4 und T3 gibt es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede.

Nachbeobachtung bei Kindern und Jugendlichen nach Schilddrüsenentfernung: Bei 18 von 41 beobachteten PatientInnen war der TSH-Wert erhöht (Unterfunktion!) und normalisierte sich erst nach ca. fünf Jahren. Die substitution (Ersatz) ist bei Kindern nicht optimal; sie klagten nicht über Beschwerden (Müdigkeit, Verstopfung, ...), es ist bei Kindern aber auch schwieriger, das abzufragen.

Thyroxindosis: 75-100ug/Tag je nach Körpergewicht; je jünger desto mehr, da der Bedarf abnimmt. Die Dosierung ändert sich natürlich.

Thyroxin sollte sofort nach der Entfernung der SD gegeben werden. Nach sechs Wochen sollte TSH und Thyroxin bestimmt und vierteljährlich überprüft werden.

Bei Kindern und Jugendlichen ist es oft nicht einfach, die regelmäßige, ausreichende Einnahme der Thyroxin-Tabletten zu gewährleisten; nicht oder falsch eingenommene Tabletten wirken nicht.

 

FRAGEN

Die Thyroxin-Tabletten sollten 20-30 Minuten vor dem Essen eingenommen werden. Die Tageszeit ist egal. Zum Essen eingenommen werden die Tabletten nicht vollständig resorbiert = wirken nicht so. Eisentabletten und Calcium behindern die Aufnahme (Resorption)! Deshalb sollten diese zeitversetzt (zwei bis drei Stunden vorher oder nachher) eingenommen werden.

Wenn die Histologie (Bestimmung entnommener Zellen) nicht klar ist, sollte nach einer Operation erstmal kein Thyroxin genommen werden wegen einer evtl. folgenden Radiojodtherapie. Sobald aber klar ist, dass es sich um ein C-Zell-KA handelt, sollte sofort mit der Einnahme begonnen werden.

Ein Szintigramm postoperativ (nach einer Operation) ist sinnlos!

Calcium +Vitamin D: Wenn ein Jahr nach der OP die Nebenschilddrüsen nicht wieder funktionieren, sollte 0,25-0,5mg Rocaltrol (hat kurze Halbwertzeit) und 2x500mg Calcium genommen werden. Nicht mit Thyroxin zusammen, sondern z. B. mittags und abends. Man sollte feststellen lassen, ob die Unterfunktion keine vorübergehende Erscheinung war und versuchen, mit der Dosis runter zu gehen und den Wert im Blut austesten.

 

3. Vortrag

Prof. Dr. H. Dralle, Halle

„Chirurgische Therapie des medullären Schilddrüsenkarzinoms"

 

präoperative (vor einer Operation) Maßnahmen sollten je nach Fall sein: Kehlkopfspiegelung, genaue Lokalisation, Ultraschall von Hals und Leber, Bestimmung des CEA-Werts sowie des Calcitonin-Wertes basal und stimuliert. Bei Metastasen-Verdacht und/oder Verdacht auf organüberschreitendes Wachstum sollte zusätzlich ein PET, CT, MRT und bei Calcitonin-Werten höher als 1000 evtl. eine Laparoskopie und Thorakoskopie gemacht werden.

Häufigkeit der befallenen Lymphknoten: Im mittleren Halsbereich 44%, auf der Seite des Tumors 34%, auf der anderen Seite 14%.

Anhand einiger Bilder zeigt Prof. Dralle, dass komplizierte mikroskopische Operationstechniken mithilfe einer Lupenbrille angewandt werden. Weitere intraoperative (während einer Operation) Maßnahmen sind die bipolare Koagulation (Blutstillung), Kompartiment-orientierte Mikrodissektion (es werden nicht einzelne Lymphknoten, sondern alle in einem Bereich entfernt), Neuromonitoring (Nerverkennung+Funktion), Blutstillung mit Fibrinkleber und Vlies.

Heilungschancen: 15% der Patienten mit Lymphknotenmetastasen im Mediastinum konnten „biochemisch geheilt" werden. Einen normalisierten Calcitoninspiegel hatten nach der OP 67% derPatientInnen im Stadium T1, 16% im Stadium T2, 20% im Stadium T3 und 25% im Stadium T4.

Therapiemöglichkeiten bei Lebermetastasen: vereinzelte, isolierte Metastasen können durch Resektion, vermehrt auftretende (multiple) mit Größenzunahme durch Chemoembolisation mit Epirubicin (werden „ausgetrocknet") behandelt werden, Metastasen in der Leber und im ganzen Körper durch eine systemische Therapie mit Medikamenten/Radioliganden. Die Behandlung der Lebermetastasen bringt bei vielen PatientInnen mit schweren Durchfällen eine Verbesserung.

Die Entscheidung über den Zeitpunkt der OP bei Genträgern sollte in Abhängigkeit von der Art (Aggressivität/Tempo des Wachstums) der Mutation getroffen werden. Wenn der stimulierte Calcitoninwert normal war, gab es bei 6% der Kinder bereits eine Entwicklung von Krebs, bei 94% nicht.

 

Ergänzend, vor allem zu Stadien, erneuter OP und Zeitpunkt der OP bei Genträgern siehe Protokoll Essen, Vortrag 2.+3.

FRAGEN

Eine „Somatostatin-Spritze" führt nicht zur Heilung, sondern bremst bestenfalls das Wachstum.
Prof. Raue: Man muss individuell bestimmen, welches Stadium und welche Form der Erkrankung vorliegt. Wenn es keine Beschwerden gibt, sondern nur erhöhte Calcitonin-Spiegel, sollte man abwarten.

Dr. Frank-Raue: Man muss lernen, mit der Erkrankung zu leben bevor man Therapien macht, die mehr Beschwerden bereiten und die Lebensqualität mehr einschränken als der Tumor selbst.

Welche Anzeichen gibt es, an denen PatientInnen selbst feststellen können, dass sie ein C-Zell-Karzinom haben?

Knoten in der SD oder am Hals, Durchfälle, Klosgefühl beim Schlucken, spät/fast nicht: Gewichtsabnahme, Knochenschmerzen (Metastasen), Schmerzpunkte. Calcitonin spürt man nicht.

Wann und wie lange wird eine Chemoembolisation durchgeführt?

Bei Beschwerden (Durchfälle) oder bei Metastasen-Wachstum in der Leber. Sie muss sechs- bis achtmal wiederholt werden in monatlichem Abstand. Die Behandlung erfolgt stationär (ca. zwei Tage).

Bei operierten und geheilten Kindern sollten 1/4jährlich die SD-Werte kontrolliert und einmal im Jahr der Calcitoninwert bestimmt werden. Hat ein einmal durchgeführter Pentagastrintest keinen Anstieg erbracht reicht es, die Untersuchung in fünf Jahren zu wiederholen.

Bei einem Phäochromozytom auf einer Seite, kann auch eines auf der anderen Seite auftreten. Erkennen kann man das daran, dass der Blutdruck steigt.

Pause:       Da Herr Prof. Dralle einen Sponsor aufgetan hatte, gab es einen Imbiss für alle.

4. Vortrag

Dr. M. Brauckhoff, Halle

„Chirurgische Verfahren beim Phäochromozytom"

 

Phäochromozytome sind sehr seltene Tumore der Nebenniere, die nur bei MEN II vorkommen und von den chromaffinen Nervenzellen des vegetativen Systems ausgehen. Die Nebennieren liegen oben auf den Nieren wie Ys, die auf dem Kopf stehen. Die Rinde der Nebennieren, in der Mineralokortikoide, Glukokortikoide und Sexualhormone gebildet werden, ist lebenswichtig, das Mark, das Noradrenalin produziert, nicht.

Vorkommen: Familiäre Phäochromozytome treten bei mehr als 50% der Betroffenen beidseitig auf. Eine bösartige Entwicklung bei MEN 2 ist sehr selten (weniger als 3%). Bei MEN 2A entwickeln 30-50% der PatientInnen im Alter von 20-30 Jahren ein Phäochr. (10% noch vor Auftreten des MTC), bei MEN 2B ebenfalls 30-50% im Alter ab 20 Jahren.

Beschwerden: Durch das Noradrenalin kann es zu lebensgefährlichen Blutdruckkrisen kommen, durch das Adrenalin zu Herzrasen. Diese Hormone werden nicht mehr regel/gleichmäßig, sondern „pukativ" freigesetzt.

Feststellung: durch Katecholamine im Sammelurin (24 Stunden), Sonographie (Trefferquote 80-90%), CT oder MRT, MIBG-Szintigraphie.

Behandlung: Durch die MEN-Früherkennung kommt es heutzutage meist rechtzeitig zur Behandlung. Eine Blutdruckkrise muss im Krankenhaus behandelt werden, eine Heilung ist nur durch Operation möglich. Vor der Operation wird Dibenzyran zur Einstellung des Blutdrucks gegeben. Operiert werden kann sowohl „offen" von vorne, von hinten mit einem kleinen Schnitt als auch endoskopisch durch den Bauch oder in Bauchlage (retroperitoneaskopisch).

Eine einseitige Entfernung hat keine Beeinträchtigungen zur Folge, werden die Nebennnieren auf beiden Seiten entfernt, müssen die lebenswichtigen Glukokortikoide und Mineralokortikoide ersetzt werden (Hydrokortison, Astonin H) und zwar morgens mehr und abends weniger (20-10-5). Bei Stress ist eine Dosissteigerung lebenswichtig (Addison-Krise). Ca. ein Viertel der PatientInnen klagen über eine Einschränkung ihrer Lebensqualität. Ein Kortison-Pass und eine Notfall-Dosis müssen immer mitgeführt werden. Phäochrs bei MEN2-PatientInnen sollten endoskopisch, Nebennieren (NN) erhaltend operiert werden. Ein Drittel einer NN ist für eine ausreichende NN-Funktion ausreichend (ACTH-Test). Nach einer Operation dauert es ca. drei Monate, bis die NN bzw. der NN-Rest wieder funktionstüchtig ist. Während dieser Zeit muss Kortison etc. ebenfalls ersetzt werden.

Das Rezidiv-Risiko liegt auf der operierten Seite bei 10-20%, auf der anderen Seite bei mehr als 50%. Bei einem Rezidiv auf der gleichen Seite kann evtl. erneut organerhaltend operiert werden. Es gibt hierüber aber erst fünf Berichte weltweit. Die Operation sollte in einem spezialisierten, endokrinologisch-chirurgischen Zentrum von erfahrenen Ärzten durchgeführt werden.

 

FRAGEN

Wenn noch ein Rest der NN vorhanden ist, gibt es die Möglichkeit eines Rezidivs. Muss aber nicht; bei einem Drittel der PatientInnen gibt es keine Wiedererkrankung.

Eine Blutdruckkontrolle und die Überprüfung von Katecholaminen und Metanephrinen im Serum reicht einmal im Jahr.

 

5. Vortrag

Prof. Dr. med. Friedhelm Raue (der Mann von der Frau Doktor Frank-Raue), endokrinologische, humangenetische Praxis, Brückenstr. 21, 69120 Heidelberg, E-Mail: raue-heidelberg@t-online.de

„Tumornachsorge und Systemische Therapie bei Metastasen"

 
Die einzige Therapieoption mit Aussicht auf Heilung (kurativ) ist die Operation. Alle anderen Therapien sind nur auf die Linderung der Auswirkungen (palliativ) gerichtet. Die Radiojodtherapie ist keine Therapieoption.

Ab dem Stadium IV gibt es die Möglichkeit, Knochenmetastasen zu bestrahlen, wenn sie Schmerzen verursachen. Eine Chemotherapie sollte nur in ausgewählten Fällen unter Berücksichtigung der Lebensqualität in Betracht gezogen werden (Ansprechrate: 30%). Weitere Möglichkeiten sind Therapien mit Somatostatin oder eine Immun- oder Gentherapie. Zum „Management"siehe auch Protokoll/Essen.

Bei steigenden Calcitonin-Werten ohne fassbare Metastasen: keine Therapie von Tumormarkern! Sind (nicht operable) Metastasen erkennbar, die aber keine Beschwerden bereiten, sollte abgewartet und beobachtet werden. Lösen die Metastasen Beschwerden aus, kann man bei Knochenmetastasen durch Bestrahlung oder Bisphosphonate und bei Durchfällen mit Loperamid oder Tinctura Opii, immer unter Beachtung von Folgen, Risiken und Lebensqualität versuchen, die Beschwerden zu verringern.

Bedingung für eine Therapie mit Somatostatin (Octreotiden) ist eine Verdoppelung des Wachstums um das Doppelte innerhalb eines halben Jahres. Es kann ein Wachstumsstopp und die Verringerung von Durchfällen und Tumormarkern erreicht werden. Dazu wird zunächst 3x50-100µg pro Tag gegeben, dann 20-30mg LAR-Sandostatin alle drei bis vier Wochen in den Muskel gespritzt. Wenn Nebenwirkungen wie Bauchbeschwerden, Durchfälle oder Gallensteine auftreten, ist eine Therapie mit Somatostatin nicht möglich.

Zu experimentellen Therapien siehe auch Protokoll Essen, Vortrag 4.

Seit Anfang des Jahres läuft bei Prof. Raue in der Praxis in Heidelberg eine Studie mit sieben PatientInnen (zehn könnten teilnehmen) mit Glivec® (Imatinib). Im Reagenzglas konnte diese Substanz die C-Zellen vermindern. Die Nebenwirkungen können hier Übelkeit, Durchfälle und Wassereinlagerungen sein. Es gibt sehr unterschiedliche Verläufe und die Ansprechrate muss abgewartet werden. Wer Interesse hat, an der Studie teilzunehmen, möge sich bei Prof. Raue melden (Kontakt siehe oben).

In der Zukunft sollen Parameter zur Erfassung aggressiven Wachstums (z.B. somatische Mutation RET 918?) gefunden, Studien zur palliativen Therapie (Lebensqualität, Überleben) erstellt und eine C-Zell-spezifische Therapie (Immun-, Gentherapie, Tyrosinkinasehemmer) entwickelt werden.

 
FRAGEN

Eine Blutbildveränderung unter Somatostatin ist nicht bleibend.

Die Verläufe sind wesentlich positiver als bei anderen Karzinomen.

Die Therapie mit Angiogenesehemmern (auch mit Sandostatin) ist immer noch experimentell. Es gibt positive Einzelbeobachtungen aber bis jetzt zu geringe Fallzahlen und eine Kontrollgruppe fehlt.

Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Lebensalter und Tumorwachstum. Langsames oder schnelles Wachstum hängt eher von der Mutation ab.

Jod kann nicht überdosiert werden: Was man zu viel nimmt, wird ohne zu schaden über die Nieren ausgeschieden.

 

6. Vortrag

Prof. Dr. med. R. P. Baum, Klinik für Nuklearmedinzin Bad Berka, www.zentralklinik-bad-berka.de, info@rpbaum.de

„PET, PET-CT und nuklearmedizinische Therapie bei neuroendokrinen Tumoren"

 

Es geht um die Diagnostik mit radioaktiven Isotopen. An Rezeptoren/Antigene können Antikörper zur Therapie gebunden werden. Ein PET, das es seit 1977 gibt, ist ein hochempfindliches Verfahren, mit dem Stoffwechselprozesse durch die Markierung stoffwechselrelevanter Moleküle sichtbar gemacht werden.
In Kernspintomogramm und CT wird die Anatomie dargestellt, im PET Stoffwechselprozesse. Da ein Tumorzell-Stoffwechsel sich durch einen gesteigerten Glukoseumsatz auszeichnet, kann z. B. Glukose als Kontrastmittel eingesetzt werden.

Das PET ist nur das Gerät, entscheidend ist die injizierte Substanz (Kontrastmittel); es kommt drauf an, was man sichtbar machen möchte. Eine Untersuchung kostet 750-1000 ¤ und wird von der Krankenkasse nur übernommen, wenn sie stationär erfolgt (zwei Tage Aufenthalt). Bei Privatversicherten werden die Kosten übernommen, man kann die Untersuchung auch als Selbstzahler durchführen lassen.
Sie spart Geld ein durch die deutlichen Ergebnisse. Von den Substanzen, die als Kontrastmittel eingesetzt werden, sind nur geringe Mengen nötig, sodass keine pharmakologischen Wirkungen zu erwarten sind.

Das PET/CT ist eine Kombination aus funktioneller und anatomischer Bildgebung (Fusion/Überlagerung) und bringt dadurch eine Steigerung der diagnostischen Qualität in kurzer Untersuchungszeit (7-17 Minuten).
Es können Metastasen gesehen werden, die bei einem herkömmlichen Skelettszintigramm übersehen oder nicht klar definiert werden können. Es ist empfindlicher als die Skelett-Szintigraphie mit Fluorid und außerdem kann auf den Bildern besser unterschieden werden zwischen degenerativen Veränderungen und Metastasen.
Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit der Unterscheidung zwischen aktivem und abgestorbenem Gewebe.

Ein PET ist beim MTC angezeigt in der Nachsorge bei rapidem Tumormarker-Anstieg oder Rezidiv; ab 3mm ist der Nachweis von Metastasen möglich. Bei der Glivec-Studie z.B. taugt ein PET aber auch zur Therapiekontrolle, ob der/die PatientIn auf die Therapie anspricht. Das PET hat keinen Stellenwert in der Primärdiagnostik, sondern eignet sich zum Nachweis von Metastasen bei „Spezialfällen". Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass es sich bei einem PET immer um eine Ganzkörperdiagnostik handelt. In der Zukunft gibt es vielleicht neue, spezifische Untersuchungssubstanzen („Tracer") zum Nachweis medullärer SD-Karzinome (Peptide z.B. Gastrin, monoklonale Antikörper). Es ist zu hoffen, dass die Kosten für eine Untersuchung reduziert werden können und die Krankenkassen diese übernehmen.

Therapie mit offenen Radionukleiden

Beim malignen Phäochromozytomen reichert sich 131Jod-MIBG spezifisch an und es konnten damit therapeutische Erfolge erzielt werden. Bei guter Speicherung stellt das auch eine Möglichkeit zur Behandlung von Metastasen des C-Zell-KAs dar. Ca. 4-10% der SD-KAs sind neuroendokrinen Ursprungs. Die Diagnostik und Therapie von neuroendokrinen Tumoren muss interdisziplinär erfolgen. Der Tumormarker Calcitonin ist sensitiver als bildgebende Verfahren. Da beim C-Zell-KA die Operation die einzige Option mit Heilungsaussicht ist, ist eine Lokalisationsdiagnostik umso wichtiger.

Lutetium wird eingesetzt bei Tumoren nahe empfindlicher Strukturen.

 
FRAGEN

Man kann mit einem Szintigramm oder MR kein PET widerlegen.

Abfolge der Untersuchungen beim MTC sollte sein: 1. klinische Untersuchung (Palpation etc.), 2. Sonographie, 3. CT Brustraum/Lunge, 4. Rezeptor-PET-CT (ist immer eine Ganzkörperuntersuchung).

Die „Schnittbreite" beträgt 3mm, die Untersuchung dauert 20 Minuten.

Aufgrund der Speicherung/Anreicherung kann man auch sagen, ob jemand für eine Somatostatin-Therapie in Frage kommt.

Zum Abschluss gab es noch das Angebot von Herrn Prof. Dralle, sich einen Film über die Operation eines C-Zell-KAs anzusehen. Vorher wurde denen, die diesen nicht sehen wollten, Gelegenheit gegeben, den Hörsaal zu verlassen.

 
Die OrganisatorInnen seitens der Selbsthilfegruppe haben sich über die große Resonanz, die die Veranstaltung gefunden hat, sehr gefreut.

Nochmals ganz herzlichen Dank an alle ReferentInnen!

 

Protokoll: Bettina Kurz

Anmerkung: Auch verfügbar als PDF-Datei: Protokoll vom 13.11.2004
Protokoll der Informationsveranstaltung am Samstag, 13.11.2004 in Halle/Uniklinikum | Anmelden bzw. neues Benutzerkonto einrichten | 0 Kommentare
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