Zu: Prof. Dr. Dralle/Halle
Liebe Heike,
es tut mir unheimlich leid, dass Du Deinen Timo in dieser Welt nicht mehr bei Dir hast.
Den Schmerz, den Du bisher ertragen hast und der jetzt bestimmt eine ganz andere Art und Dimension angenommen hat, muss unfassbar schlimm sein.
Ich bin mir sicher, dass Timo seine Schmerzen dagegen nicht mehr hat und jetzt unheimlich glücklich ist, wo immer er auch ist. Freue Dich darüber! Ich bin mir sicher, auch Du schaffst es für Dich auch diesen Schmerz zu überwinden und wirst selber Dein Lachen wieder finden.
Dein Timo würde sich bestimmt freuen…
Bitte entschuldige meine folgende Anmerkung zu Deiner über Prof. Dr. Dralle, aber es fällt mir schwer, Deine Wut, die ich sehr gut nachvollziehen kann, einfach stehen zu lassen.
Bitte bedenke, das Prof. Dralle ein Mediziner- ein Chirurg ist. Bei ganz abstrakter Betrachtung ist nicht ER/sein Team für eine psychologische Betreuung verantwortlich. Für einen Patienten mit einer schweren Krankheit ist eine solche Betreuung auch aus meiner Sicht absolut notwendig, ebenso eine sehr gute medizinische Nachbetreuung. Im Optimalfall gehört beides durchgeführt. Doch mit unserem aktuellem Gesundheitssystem ist einfach keine optimale Betreuung eines Patienten zu gewährleisten.
Bedenke doch bitte, dass Prof Dralle ein Spezialist auf seinem Gebiet ist, der von sämtlichen Orten in Deutschland und bestimmt weltweit in Anspruch genommen wird. Als meine Mutter bei ihm wochenlang auf der Station lag, haben wir jeden Tag sein enormes Arbeitspensum und sein Engagement festgestellt, mit dem er versucht, sämtlichen Patienten gerecht zu werden und sein eigenes Leben dem völlig unterordnet.
Gerade er nimmt sich doch Zeit für Vorgespräche und versucht, jeden Patienten auch als Person einzuschätzen. Ich bin vorher und auch bis heute auf keinen weiteren Mediziner dieser Art getroffen.
Bitte lasse nicht außer Acht, dass er ein Spezialist auf dem Gebiet der Chirurgie ist und aufgrund seiner Fähigkeiten von sämtlichen Orten der Welt gerufen wird. Es liegt in seinem Ermessen, wie er seine Arbeit gewichtet.
Ich bin ihm sehr dankbar , dass er sich für meine Mutter Zeit genommen und sie behandelt hat. Würde er sich auch um die psychologische Nachversorgung eines Patienten kümmern, wäre vielleicht meine Mutter diejenige gewesen, für die er dann keine Zeit mehr gehabt hätte, weil der Tag doch auch nur 24 Stunden hat. Für Versorgungen unterhalb seiner Spitzenleistung, die man auch von anderen Medizinern erwarten kann, sind auch wir zu anderen gegangen, um Platz zu machen für andere Patienten, die seine Fähigkeiten brauchen.
Meine Mutter hat sich von der Operation bei ihm auch nicht mehr erholt. Das liegt jedoch in der logischen Konsequenz dieses medizinischen Eingriffes. Sicherlich haben wir uns unmittelbar nach der
OP, als alles gut gegangen ist gedacht, dass wir heute wieder mit ihr lachend und hüpfend durchs Leben gehen. Dieser Optimismus scheint mir nur allzu menschlich.
Doch vor der
OP in Halle haben wir uns noch nicht einmal mehr vorstellen können, dass sie zu dieser jetzigen Zeit noch bei uns ist. Dass es ihr so schlecht geht, liegt an der verdammten Krankheit Krebs, die sie zerfrisst und die damalige Operation überhaupt notwendig gemacht. Wenn mich ihre schlechte Verfassung verzweifeln lässt, stelle ich mir oft die Frage, was wäre ohne diesen Eingriff geworden?
Es ist immer eine Abwägung und man weiß doch nie, was das richtige ist, weil man nicht in die Zukunft sehen kann. Doch bitte sei gerecht und lasse nicht außer Betracht, dass ihr Halle aus einem bestimmten Grund aufgesucht habt.
Ich bitte nochmals um Entschuldigung, wenn ich Dir zu Nahe getreten bin und ohne Eure Geschichte genau zu kennen, mich einfach dazu äußere. Das ist hier jedoch ein
Forum für Erfahrungsaustausche und ich mache nur davon Gebrauch, auch meine Erfahrungen und Gedanken auszudrücken. Was immer auch das richtige ist…
Alles Gute und ganz liebe Grüße,
Sandra